Ein Plädoyer von Stefan Kasberger für den Umweltschutz in der aktuellen Blatthirsch Ausgabe.

Vor fünf Jahren lernte ich etwas Besonderes in sei­ner Essenz kennen. Ich bin Teil von etwas Großem, Teil von einem chaotischen, un­kontrollierbaren, unbegreiflichen und den­noch funktionierenden und dadurch umso schöneren, wunderbaren System. Ich bin Teil der Natur!

Kann sein, dass das kitschig ist. Für mich war es einer der schönsten Momente meines Lebens und diese Liebe zur Natur stellt nach wie vor meinen Antrieb zu deren Schutz dar. Doch wo soll mensch beginnen wenn er etwas verändern will? Klimawan­del, Artensterben, Ressourcenraubbau, Energieversorgung und Müllproblematik scheinen übermächtig, sind enorm kom­pliziert und die Lösungen teils noch nicht vorhanden oder sehr schwer realisierbar. Der Widerstand ist groß und die Windmüh­len träge. Aber egal. Hauptsache es wird begonnen, habe ich mir gedacht.

Doch gut Ding braucht Weile – und so wurde der Kompass nachhaltig justiert und ein Schritt nach dem anderem gemacht. Oftmals waren es Zufälle oder Kleinigkei­ten die große Veränderungen verursach­ten – ein kleines Buch zum Klimawandel oder eine BBC Dokumentation. Manchmal waren es auch größere Schritte wie die zahlreichen Debatten in denen komplexe Prozesse und deren Zusammenhänge dis­kutiert wurden oder der Besuch des Elevate Festivals 2009.

Die gewonnenen Erfahrungen wurden parallel dazu schön langsam in den Alltag eingepflegt. Verkauf des Autos, Umstieg auf Bio-Lebensmittel und Mehrwegsysteme. Das Fliegen innerhalb Europas kommt auch nur mehr in Notfällen auf den Tisch – und fällt zumeist gleich wieder unter denselben.

Die Gedankenströme flossen unauf­hörlich weiter und mündeten dieses Jahr mit dem „Bock auf Umweltschutz“-Projekt und dem Entschluss Umweltsystemwissen­schaften zu studieren im offenen Meer. Das Traum-Schiff – oder eher Floß – mit dem ich mich dabei über Wasser hielt, hieß „do it yourself“ und bekam seinen Namen aus der Überzeugung und dem Wissen heraus, dass der finale Hafen existiert und erreich­bar ist.

So wurde nicht nur ein Motivations-Strudel heil überstanden und nur die Klabautermänner wissen wieso es nicht anders kam. Doch ich merkte, dass mit einer größeren Crew noch mehr möglich ist und so begab ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten. So manch anderes Schiff wurde inspiziert, doch meist war die Crew schon etwas angestaubt. Wer gelebte Unabhängigkeit, Offenheit und Menschen­nähe sucht, hat‘s nicht leicht und so wurde das Schiff auf den Namen „Verein Alpine Geckos“ umgetauft. Soweit alles gut an Bord.

Unsere Intention war eine Bewegung von unten, die kritische Fragen stellt und in der Region agiert und sich positioniert. Denn es schien fast als gäbe es kein In­teresse daran sich mit den unbequemen Umweltfragen detailierter auseinander zu setzten. Hier mal eine Photovoltaik-Anlage aufgestellt, dort ein Radfahrweg gebaut ist ja gut, aber bei gleichbleibendem Engage­ment, werden wir das 2°C des IPCC weit verfehlen.
Global betrachtet steigt die CO2-Belas­tung immer noch, denn nur all zu oft wird gegenüber vom Radfahrweg ein Einkaufs­zentrum hingestellt, welches eine viel grö­ßere CO2-Belastung in sich trägt, als der Radweg einspart.

Weniger Ölverbrauch, mehr Öffis, we­niger Verpackungen, mehr biologischer Anbau, stärkere regionale Strukturen und ein gerechteres globales Handels- und Wirtschaftssystem – oder wir steuern ge­radewegs auf existenzbedrohende Verhält­nisse zu und verwehren unseren nachkom­menden Generationen ein lebenswertes Leben. Für mich ist ein grundsätzlicher Lebenswandel unserer Gesellschaft unaus­weichlich. Fürchten brauchen wir uns dabei nicht, denn ein bewussteres Leben steigert die Lebensqualität.

Stress und Hektik, für uns alltäglich ge­worden, sind sowohl für den Menschen als auch die Umwelt – und wie wir gerade se­hen auch für die Wirtschaft – nicht gesund.
Daher plädoyiere ich für eine freie, offe­ne und vereinte Umweltschutz-Bewegung im Raum Vöcklabruck. Der Bedarf ist da, denn in diesem Jahrzehnt werden auch hier die Grundsteine für die großen Revo­lutionen der Energieversorgung, der Land­wirtschaft und des Verkehrs gelegt. Dazu braucht es eine unabhängige Bewegung von unten, welche sich mit diesen Themen im Interesse der Menschen beschäftigt und eine sachliche Auseinandersetzung mit diesen einfordert. Wie seht ihr das?

stefan.kasberger [@] alpine-geckos.at

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