Vor zwei Jahren waren Stefan und ich das erste Mal bei einem Bergwaldprojekt, ebenfalls in Sonntag im Großen Walsertal, mit dabei. Jenes Bergwaldprojekt vor zwei Jahren, auch von Willi geleitet, hinterließ einen sehr positiven Eindruck und stets wollte ich wieder bei ausgerechnet diesem Bergwaldprojekt mitwirken. Nun sollte es endlich wieder soweit sein und ich freute mich auf eine spannende, informationsreiche und arbeitsintensive Woche.

Tag 1: Sonntag 13. Mai: Anreise

Nachdem ich Vortag bis nach Lindau am Bodensee gereist war, setze ich die Weiterfahrt zum Bergwaldprojekt von dort aus fort. Ein Bergwaldprojektkollege sollte von Gießen via Lindau mit dem Auto zum Bergwaldprojekt anreisen und mit in Lindau mitnehmen. Gegen 13 Uhr trafen wir uns am Hauptbahnhof auf der Insel Lindau und Martin legte, wegen der langen vorhergegangenen Fahrt, eine kurze Rast ein. Wir spazierten ein wenig am Ufer entlang und verstanden uns auf Anhieb recht gut.

Von Lindau aus fuhren wir via Bregenz, Bludesch und Ludesch nach Sonntag im Großen Walsertal. Der Himmel war eher bewölkt und zeitweise fielen ein paar Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Nach etwa einer Stunde gemütlicher Autofahrt erreichten wir Sonntag, wo wir bei der Seilbahn (am Stein) parkten und nach anderen Teilnehmern Ausschau hielten.

Nach kurzer Zeit tauchte ein weiterer Teilnehmer samt Wohnmobil auf – sein Name war Edi. Danach erreichten drei Teilnehmer – Ehrentraud, Albert und Klaus – die alle mit dem Zug von Osten her und dann mit Bus gemeinsam angereist waren. Wir begrüßten uns alle am Parkplatz und führten die ersten Kennenlerngespräche. Nach einer Weile tauchten unsere Gruppenleiterin Anita und unser Projektleiter Wielfried Trütscher, oder einfach nur Willi, aus dem Haus Walserstolz kommend, auf. Somit war das achtköpfige Team bestehend aus Teilnehmern und Organisatoren komplett.

Zuerst wurde uns, zum Bedauern aller Teilnehmer, mitgeteilt dass wir die bevorstehende Bergwaldprojektwoche nicht auf der Enzianhütte verbringen sollten. Grund dafür war die beachtliche Schneelage in der Umgebung der Hütte, welche eine Zu- und Abfahrt zu und von der Hütte unmöglich gemacht hätte. Willi teilte uns mit dass er nicht einmal zwei Wochen vorher dabei war das Projekt wegen der noch vorhandenen Schneemaßen abzusagen. Zum Glück konnte er aber eine Ersatzunterkunft – mit bedeutend reduziertem Komfort – auftreiben.

Die Ersatzunterkunft war ein einfaches zweistöckiges Haus für Großgruppen mit zwei großen Matratzenlagern, drei Einzelzimmern, gemeinsamem Bad samt Dusche im Keller, Aufenthalts- und Gesellschaftsraum, Küche, drei Toiletten und Garage. Die Matratzenlager waren einfach gehalten, die Küche gut jedoch reichlich ausgestattet mit Kochutensilien, die Toiletten hatten Wasserspülung und das Bad hatte drei Duschkabinen samt ein riesiges Waschbecken mit mehreren Wasserhähnen. Das Haus war bereits relativ heruntergekommen und die Spuren vorangegangener Gruppenbesuche waren anhand von Bekritzelungen, Malereien und Schnitzereien an Wänden und Türen deutlich sichtbar.

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Bus für Bergwaldprojekte

Seit zwei Jahren werden vom Autohersteller Mercedes – zu Sponsoringzwecken – ein paar Busse für bis zu acht Personen für die Abwicklung der Bergwaldprojekte bereitgestellt. Unsere Gruppenleiterin machte sich die Mühe den Bus aus Innsbruck abzuholen und die Fahrten vom Quartier zu den Arbeitsstellen und zurück auf sich zu nehmen. Ein Herzliches Dankeschön dafür!

Nach dem ersten Schock über die heruntergekommene Unterkunft und dem Auspacken und Beziehen der Zimmer, holten Willi und ich Brennsuppe und frisch gemolkene Milch von den Besitzern des Hauses. Das Bauernhaus unserer Herbergegeber liegt etwa 2 Kilometer von der Unterkunft und war, zu meinem Erstaunen, mit sehr niedriger Zimmerdecke gebaut, unter welcher selbst ich als relativ Kleingewachsener fast an die Decke gestoßen wäre. Die beiden älteren Damen die uns empfingen waren sehr nett, sprachen tiefsten Walserdialekt und versorgten uns, wie schon zuvor erwähnt, mit Brennsuppe und Milch.

Alle am gemeinsamen Tisch sitzend, aßen wir das Abendessen und tauschten Geschichten und Beweggründe für die Teilnahme am Bergwaldprojekt aus. Willi stellte das geplante Programm für die Woche vor und der Abend endete mit müden Teilnehmern, die ins Bett schlenderten.

2. Tag: Montag 14. Mai: Bäume setzen auf einem zuvor gerodeten Waldgebiet

Die Nacht von Sonntag auf Montag war kalt, es gefror leicht und gefrorener Morgenreif überzog die Landschaft. Der Morgen aber war herrlich schön mit ungetrübtem Sonnenschein und keiner einzigen Wolke am Himmel. Das ließen wir uns gefallen!

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Erstes Einsatzgebiet mit Blick auf die Sonntager Volksschule

Nach dem reichlichen Frühstück, bestehend aus handgemachter Butter, Walserstolz Käse und selbstgemachter Marmelade, machten wir uns auf dem Weg zu unserer ersten Arbeitsstelle. Diese lag genau über oder hinter (nördlich) der Gemeinde Sonntag. Dort wurde ein paar Wochen vorher ein Kahlschlag durchgeführt. Unsere Aufgabe bestand darin neue Bäume – Fichten, Tannen und Buchen – zu setzten und Rücksicht auf eventuelle Naturverjüngung (natürlich nachwachsende Bäume) zu nehmen. Das Gelände war relativ steil und der Untergrund teils lehmig oder gar lose Erde und Schotter. Außerdem wurden nach dem Kahlschlag die von den Bäumen abgeschnittenen Äste nicht entfernt sondern zur Humusbildung liegengelassen, was jedoch das Bewegen im Einsatzgebiet erschwerte. Zusätzlich ließ man einige querliegende Baumstämme zur Hangstabilisierung und als Lawinenschutz zurück.

Die Zeit unter der herunterbrennenden Sonne verging schnell und bald, so schien es, aßen wir genüsslich einen Teil unserer Jause – Brot vom Bäcker mit Walserstolz, Obst und Müsliriegeln.

Nachdem die Natur schon für reichlich Nachwuchs auf dem Arbeitsgebiet gesorgt hatte, waren mit der Arbeit kurz nach dem Essen, zum großen Erstaunen Willis, fertig. Willi jedoch gab sich nicht so leicht geschlagen und fand kurzerhand eine weitere Aufgabe für uns die uns den ganzen Nachmittag beschäftigen sollte.

Wir fuhren zu einem hochgelegenen Waldstück bei dem selbst Willi gezwungen war mit Hilfe seines Nachfolgers Joachim und alten Karten, die die unterschiedlichen Parzellen ausmachten, das genaue Einsatzgebiet zu bestimmen. Dort setzten wir noch ein paar Jungbäume bis wir gegen 16 Uhr zur Unterkunft zurückfuhren. Dort genossen wir die Sonne auf der Terrasse und nahmen später das Abendessen ein.

3. Tag: Dienstag 15. Mai: Bäume aufstellen und von Ablagerungen befreien

Am Dienstag ging es auf eine Baustelle die mir auf meinem vorigen Bergwaldprojekt bekannt war: ein vor ein paar Jahren kahlgeschlagenes Waldgebiet in Buchboden, etwa 10 Kilometer östlich von Sonntag. Das Waldstück gehört einem Bauern in der Nähe bei dem, wie zwei Jahre zuvor, ein reichliches Mittagessen zu erwarten war.

Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite und nichts als Sonnenschein erwartete uns als wir die Unterkunft verließen.

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Freigeräumte Straße nach einem Lawinenabgang

Auf dem Weg zur Arbeitsstelle kamen wir an einer Lawine vorbei die die Zufahrtsstraße zu unserer Arbeitsstelle blockiert hatte. Selbst Mitte Mai war der Schnee noch meterhoch links und rechts der Straße aufgetürmt. Laut Willi musste die Straße mit Baggern wieder frei geräumt werden, da Schneepflüge keine Chance hatten sich durch die gewaltigen und komprimierten Schneemaßen zu schieben. Der Schnee der mit der Lawine ins Tal gekommen war wurde so stark komprimiert, dass der Schnee steinhart wurde und das Gehen darauf fühlte sich auch so an. Interessant war auch dass, durch die Schmalheit des Tales an dieser Stelle, die Lawine von einer Seite herunterkam und sich an der anderen Seite etwas hinaufschob.

Zuerst ging es jedoch nicht direkt zu der mir bekannten Arbeitsstelle sondern auf ein Waldstück abseits der Straße die zu dem Bauernhof führt. Das Gelände war steil hängend und es war,  wegen der Wassermaßen die unterhalb des Geländes zu Tale stießen,  schwierig sich mit Rufen mit den anderen Teilnehmern zu verständigen.

Unsere Aufgabe an dieser Stelle bestand darin, Naturverjüngung und zuvor gepflanzte Bäume von oberseitigen Ablagerungen zu befreien, sie aufzurichten und notfalls mit provisorischen Hilfsmitteln, wie etwa abgebrochenen Ästen, zu stabilisieren.

Gegen 11 Uhr ging es dann weiter zu dem kahlgeschlagenen Waldstück, wo wir vor zwei Jahren schon gewerkelt hatten. Damals hatten wir dort im Regen Bäume gepflanzt die wir nun für den Weiterwuchs vorbereiten sollten. Das bedeutet wir entfernten alle größeren Ablagerungen – Äste, Steine, Unkraut usw. – die sich unmittelbar oberhalb der Bäume angesammelt hatte. Nach dem schweren Schnee im Winter und des ständigen nach unten Bewegens von Schnee- und Eismaßen, waren die jungen Bäume sichtbar talwärts gerichtet. Mit Hilfe von Stecken, die wir unmittel unterhalb der Bäume einsteckten, konnten wir die Bäume unterstützen in diesem Jahr aufrichtig und gerade weiterzuwachsen.

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Bergseitiges Ende einer früheren Materialseilbahn

Die Bauernfamilie, der das Waldgrundstück gehörte, lud uns zum Mittagessen ein. Wie schon vor zwei Jahren wurde ordentlich aufgekocht – es gab Frittatensuppe zur Vorspeise und Spaghetti mit Fleischsoße, respektive Tomaten-Gemüsesoße für die Vegetarier. Vollendet wurde das Mahl mit einer kürzen Schnapsverkostung.

Am Nachmittag, merklich verlangsamt durch das gute und ausgiebige Essen, setzten wir unsere Arbeit fort. Willi, Klaus und ich machten uns auf dem Weg weiter bergaufwärts wo wir auf einer früheren Alm auf erstaunlich viel Naturverjüngung, großteils Fichten, stießen. Ebenfalls kamen wir an der „Bergstation“ einer alten Materialseilbahn vorbei, die, als die Alm noch bewirtschaftet wurde, zum Milchtransport nach unten zum Bauernhof verwendet wurde. Am Weg nach oben und zurück nach unten richteten wir Jungbäume auf, entfernten Ablagerungen und stabilisierten die Bäumchen.

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Schild zur Kessi-Schlucht

Als wir bereits am Weg nach unten waren kam kalter Wind auf und Wolken zogen auf. Zurück beim Auto und bereit für die Heimfahrt begann es auch schon zu regnen.

Am Heimweg hielten wir, trotz des Regens, an einem Wasserfall der direkt neben der Straße herunter brauste. Ein Stückchen weiter in Richtung Sonntag hielten wir ein weiteres Mal um kurz die Kessi-Schlucht zu bestaunen – eine Schlucht die sichtbare vom fließenden Wasser und sich darin mitbeförderten Steinen ausgehöhlt, ausgewaschen und ausgeschliffen wurde.

Danach ging es zurück in die Unterkunft wo zu Abend gegessen, gelacht und Karten gespielt wurde.

4. Tag: Mittwoch 16. Mai: Auszeit wegen starkem Schneefall

Zur Wochenmitte nahm das gute Wetter eine Auszeit und bescherte weiten Teilen Vorarlbergs beachtliche Scheemengen. Auch das Große Walsertal blieb nicht vom Schnee verschont und das weiße Pulver fiel mehrere Zentimeter hoch bis auf 700 Meter herunter.

Schon am Vorabend, als die Wettervorhersage Schneefall angekündigt hatte, bestimmte Willi dass wir eine Auszeit nehmen würden, falls wirklich Schnee fallen würde. Naja, und so wurde der Mittwoch zum vertieften gegenseitigen Kennenlernen und Freizeitaktivitäten wie Kartenspielen genutzt.

Der Tag begann mit einem noch ausführlicheren und längeren Frühstück als das der vorangegangenen Tage. Butter, Ziegenkäse, Walserstolz, Honig und Marmelade aus Eigenproduktionen wurden über einen Zeitraum von etwa zwei Stunden genüsslich verzehrt.

Am Vormittag lud uns Willi auf einen Besuch in sein Haus ein, welches unweit vom Sonntager Dorfzentrum liegt. Dort erzählte er von und zeigte er uns seine Hobbys die, ohne große Überraschung hervorzurufen, viel mit Holz zu tun haben. Zum Beispiel wurden selbstgemachte Dachrinnen und Brunnen aus Holz gezeigt. Das Haus zeichnet weiters mit einer Solaranlage zur Warmwassergewinnung und einem Holzofen zur Unterstützung aus. Willi wärmt sein Haus also mit natürlichen Energiequellen.

Nach dem Mittagessen, bestehend aus Erdäpfelgulasch, gingen Ehrentraud und ich in Richtung Sonntag spazieren. Ohne konkretes Ziel schlenderten wir durch das zeitweise zu- und abnehmende Schneetreiben. Wir kamen an der Kirche und am Heimatmuseum vorbei, welches an dem leider Tag geschlossen hielt. Die kaltfeuchte Luft draußen und die kalte Unterkunft veranlassten uns dem Haus Walserstolz einen Besuch abzustatten und uns dort ein wenig aufzuwärmen. Wir bestellen Apfelstrudel und Getränke, führten eine anregende Konversation über dies und das und, bevor wir das Haus verließen, nutzten die sauberen und beheizten Toiletten. Was für eine Wohltat!

Am Abend nach dem Abendessen stand Kartenspiel und Würfelpoker am Programm.

5. Tag: Donnerstag 17. Mai: Wanderausflug zum Waldlehrpfad Raggal / Marul und zur Lasanggabrücke und Nachmittagskaffee mit dem Bürgermeister

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Morgenpanorama nach dem Schneefall zur Wochenmitte

Da am Donnerstag Christi Himmelfahrt, und somit Feiertag war, wurde auch nicht gearbeitet – trotz des ungenutzten Mittwochs. Willi zeigte sich also sehr großzügig und meinte, dass wir bereits so fleißig gearbeitet hätten und wir ohne Probleme noch einen Ruhetag nehmen könnten.

Am Abend zuvor stimmten wir gemeinsam ab, dass wir den Waldlehrpfad in Raggal / Marul besuchen und entlang wandern, und auch unseren freien Tag zur Anhäufung von Information über den Wald nutzen wollten.

Das Wetter hatte nach dem Schnee wieder umgeschwenkt und so erwartete uns ein vorzüglicher Tag voller Sonnenschein.

Nach dem Frühstück ging es auf nach Raggal von wo aus der Waldlehrpfad startet. Der Waldlehrpfad ist eine geschlossene Wandertour ins Tal hinein auf der einen und dann wieder heraus auf der gegenüberliegenden Talseite. Es gibt mehrere unterschiedliche Pfade aus denen man auch während des Fortschreitens wählen kann.

Am Start des Waldlehrpfades liegt ein kleines Geschäft, wo lokal produzierte Produkte sowie Käse gekauft werden können. Leider hatte das Gschäftl an dem Tag geschlossen.

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Wasserfall entlang des Waldlehrpfades

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Wetterstation von früher

Entlang des Waldlehrpfades befinden sich eine Reihe Informationstafeln, die Wissen über Bäume aber auch Geologie und Geschichte entlang des Weges vermitteln. Weiters befinden sich einige Spielplätze, Grillplätze und Aussichtspunkte am Weg, die den Weg auch für Familien mit kleineren Kindern attraktiv machen. Außerdem ist der Weg sehr gut angelegt und unschwer zu passieren.

Edi und ich nahmen einen Abstecher zu einem etwa 30 Meter hohen Wasserfall. Der Wasserfall lag etwa 150 Meter über dem Weg und forderte die Besteigung eines Hanges der zum Lawinenschutz abgestempelt worden war. Die Aussicht direkt vor dem Wasserfall war einzigartig.

Gegen Ende des Lehrpfades kamen wir an einer Hütte vorbei, die Informationen über die Zeitgeschichte der Walser enthielt. Außerdem war eine Sonnenuhr am Äußeren der Hütte montiert, die demonstrieren sollte wie früher die Zeit gemessen und eingeteilt wurde. Weiters fand sich ein „Naturbarometer“, das den Verlauf des Wetters anhand der Aststellung voraussagen sollte.

Nachdem wir den gesamten Weg abgegangen waren, kehrten wir in das Wirtshaus Walserklause in Raggal ein. Die Bärlauchsuppe erfreute sich großer Beliebtheit und wurde im Gastgarten bei anhaltendem Sonnenschein verzehrt. Das Personal war recht hilfsbereit und freundlich, das Essen ausgezeichnet, die Preise angemessen und die Lage wunderschön – eine Empfehlung also.

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Lasanggabrücke

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Schild zur Lasanggabrücke

Nach der Sättigung fuhren wir ein Stück von Raggal hinaus und wanderten zu einer historisch wichtigen Flussübersetzung – der Lasanggabrücke. Diese Brücke war für lange Zeit die einzige und somit eine wichtige Verbindung vom Vorderen ins Hintere Walsertal.

Auch an unserem freien Tag blieben uns Termine nicht erspart und so fuhren wir nach Buchboden um im Hotel Gasthof Kreuz den Bürgermeister der Gemeinde Sonntag zu treffen der auf Kaffee und Kuchen eingeladen hatte. Er gesellte sich zu uns an Tisch und erzählte von Sonntag, dem Problem der (Jugend-) Abwanderung, „sanften Tourismus“ (das Große Walsertal ist eines der Bergstigerdörfer) und aus der Politikwelt des Großen Walsertals. Zuletzt überreichte er allen Teilnehmern des Bergwaldprojektes ein Geschenkpaket, welches Käse, Butter, Marmelade und eine Informationsbroschüre über das Große Walsertal enthielt. Sehr aufmerksam das Ganze!

Am Ende des Tages mit wunderschöner Wanderung und gutem und ausreichendem Essen wurde auf das Abendessen verzichtet und wieder Karten gespielt.

6. Tag: Freitag 18. Mai: Zaun aufbauen und Bäume von niedrigen Ästen befreien

Am letzten Arbeitstag, welcher wieder mit Sonnenschein, jedoch ein paar Quellwolken am Himmel aufwartete, fuhren wir ein Stück talauswärts und stiegen hinauf zu einer gerodeten Waldfläche, um dort den ersten Teil unseres Tagwerkes zu verrichten. Es sollte ein 6 mal 6 Meter großes Waldstück eingezäunt werden und vor Rotwild dessen Verbissen zu schützen. Diese eingezäunte Fläche sollte in weiterer Folge eine Vergleichsfläche mit einem nahegelegen, uneingezäunten Gebiet darstellen. Anhang dieser beiden Flächen kann das Ausmaß des Wildverbisses abgeschätzt werden.

Ausrüstungsmäßig waren mit dabei eine kleine Stehleiter, eine Kreuzhacke, Meißel, Hammer, Hämmerchen und Baumschere. Die Pflöcke und der Maschendrahtzaun für die Vergleichfläche befanden sich schon bei der Arbeitsstelle.

Nachdem Willi die einzuzäunende Fläche ausgewiesen hatte, begannen wir diese Fläche ein wenig zu säubern und die Pflöcke einzuschlagen. Willi ermahnte uns mehrmals auf die Naturverjüngung innerhalb des einzuzäunenden Gebiets Rücksicht zu nehmen und nicht unnötigerweise darauf herumzutrampeln, sodass kein unnötiger Schaden entstunde. Beim Setzen der Pflöcke legte Albert einen ungeheuren Einsatz hin. Seine Körpergröße von fast zwei Metern erlaubte ihm die ebenfalls etwa 2 Meter hohen Pflöcke teils ohne Stehleiter einzuschlagen.

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Albert beim Einschlagen der Pflöcke - Ausholen

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Albert beim Einschlagen der Pflöcke - Schlagen

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Albert beim Einschlagen der Pflöcke - Abfedern

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Albert beim Einschlagen der Pflöcke - Kräfte sammeln

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Albert beim Einschlagen der Pflöcke - Auszeit

 

 

 

 

 

 

Nachdem die erste Reihe Pflöcke (eine Seite der Vergleichsfläche) fertig gestellt war, begannen einige Teilnehmer mit dem Befestigen des Maschendrahtzaunes. Dazu wurden U-Nägel verwendet und das korrekte Einschlagen dieser Nägel stellte sich als schwieriger heraus als zuerst angedacht.

Nach halbverrichteter Arbeit kam ein Fotograf – derselbe wir vor zwei Jahren – vorbei um ein paar Schnappschüsse zu machen und Material für einen Artikel zu sammeln. Alle Teilnehmer posierten mitsamt Arbeitsgerät um den Fotografen zufriedenzustellen. Anschließen wurde noch ein Gruppenfoto gemacht.

Am Nachmittag, nachdem der Zaun fertig gestellt war und Jause verzehrt war, fuhren wir wieder in Richtung Buchboden um dort einen die Bäume in einem Ahornwald von ihren unteren Ästen zu befreien. Auch diese Arbeitsstelle war mit aus dem Bergwaldprojekt vor zwei Jahren bekannt.

Willi hatte seine Motorsäge dabei und fällte ein paar Bäume um das Wachstum anderer, naheliegender Bäume zu fördern. Die gefällten Stämme wurden vor Ort in etwa zwei Meter lange Stücke zersägt und auf den mitgebrachten Anhänger geladen.

Gegen 17 Uhr verließen wir die Arbeitsstelle und fuhren zurück zur Unterkunft. Um 19 Uhr war, zum feierlichen Abschluss der Bergwaldprojektwoche, ein Tisch für uns im Gasthaus Krone in Sonntag reserviert, wo wir Käsespätzle essen sollten. Willi arrangierte außerdem, dass vor den Käsknöpflen Salat serviert wurde. Das Essen schmeckte ausgezeichnet und alle gingen gesättigt zurück zur Unterkunft.

Wie bereits vor zwei Jahren, bot Willi an Käse aus der Sennerei zum Verkauf an. Die Teilnehmer bestellten reichlich Käse als Mitbringsel zum Verzehr zu Hause.

7. Tag: Samstag 19. Mai: Reinigung der Unterkunft und Heimfahrt

Nach einem abermals ausgiebigen Frühstück wurde die Unterkunft gereinigt, alles Mitgebrachte und Neugewonnene zusammengepackt und die Abreise vorbereitet. Die verbleibenden Lebensmittel wurden unter den Teilnehmern aufgeteilt, der Großteil ging jedoch an unseren Organisator Willi.

Auch am Abreisetag schien die Sonne vom blauen Himmel und so bekundeten einige Teilnehmer den Wunsch nach einer weitern Woche Bergwaldprojekt im Großen Walsertal.

Auf der Terrasse vor der Unterkunft verabschiedeten wir uns von einander und traten die Heimreise an.

Zusammenfassung

Alles in Allem war es eine fast perfekte Woche für ein Bergwaldprojekt. Lediglich der Schnee zur Wochenmitte bremste die Arbeit, hielt aber für uns Teilnehmer einen zusätzlichen Tag zum Genießen Gegend. Im Gegensatz zum letzten Bergwaldprojekt, unter welchem es an vier von fünf Tagen regnete, fiel dieses Mal nie Regen während der Arbeit.

Die Unterkunft war, wie schon angesprochen, kalt, bei weitem weniger luxuriös und gemütlich als die Enzianhütte. Trotzdem ein großes Dankeschön an die Besitzer für das Bereitstellen der Unterkunft, ohne die es gar kein Bergwaldprojekt gegeben hätte!

Kulinarisch stand mit den teils lokal und selbst produzierten Lebensmitteln, und hier vor allem Milchprodukte, sehr hohes Niveau auf dem Tisch. Ich persönlich würde mir für eine komplette Woche ein durchdachtes Ernährungskonzept wünschen, dass auf gesunde Ernährung, Ausgewogenheit, viel Gemüse und Obst und wenig Fleisch, Fett und übermäßig viele Kohlenhydrate ausgelegt ist – die Ernährung also zu einem Teil des Projektes erheben. Der Alpenverein könnte hier eine Vorreiterrolle, was gesundes Essen und die Abnahme von lokal produzierten Waren betrifft, einnehmen.

Die Gruppe verstand sich auf Anhieb recht gut und Streitereien waren keine zu vernehmen. Der Arbeitsaufwand in der Unterkunft mit Essenszubereitung, das Auf- und Abservieren und der Abwasch regelten sich ganz gut von selbst.

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Unser Projektleiter Willi

Unser Organisator Willi führte uns zutiefst in die Geschichte, die Leute und den Quatsch und Tratsch von Sonntag im Großen Walsertal ein. In gepflegter Manier vermittelte Willi aber auch ungemeines, praktisches Wissen über den Wald, die Berge und die Natur im Allgemeinen.

Danke Dir Willi und allen anderen Teilnehmern für eine hervorragende Bergwaldprojektwoche im Großen Walsertal, die mir, und hoffentlich ebenso den anderen Teilnehmern, lange in Erinnerung bleiben wird! Hoffentlich geht sich für mich die Teilnahme an ein paar nachfolgenden Bergwaldprojekten im Großen Walsertal noch aus, bevor Willi auch mit Hinsicht auf die Bergwaldprojekte in den Ruhestand geht!

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