Der letzte Tag ist angebrochen und es stand viel auf der Tagesordnung, was in den ersten elf Tagen nicht erledigt wurde. Kaum Annäherungen zwischen den Interessensgruppen und es liegen noch viele große Themen auf dem Verhandlungstisch. Hier ein Bericht mit Video wie die Ausgangslage ist.

Freitag, Tag 12 – COP15 Round-UpGuardian live

Der Tagesverlauf wird chronologisch aufgereiht.

Eine Analyse des IPCC brachte einiges an Druck in die Verhandlungen. Der aktuelle Vertrags-Entwurf würde die Temperatur um mehr als 3°C steigen lassen (Guardian). Viele waren dadurch überzeugt, es sei besser keinen Vertrag ab zu schliessen als einen Solchen.

Die Hoffnungen dieses Tages lagen auf Barack Obama, dem frisch gebackenem Friedensnobelpreisträger. Er wollte gleich das Gespräch mit Chinas Premier Wen Jiabao aufnehmen, man hoffte auch auf eine Erhöhung des Klimafonds.

Zuvor gab es aber noch Worte von Wen Jiabao selbst. China nehme den Klimawandel sehr ernst. Forderten wieder einmal mehr Engagement der Industrienationen gegenüber den armen Ländern ein und bestätigten ihren Willen zum Klimaschutz.

Brasiliens Präsident Lula betratt anschliessend das Podium und beklagte, er seie frustriert. Er würde gerne Kopenhagen mit einem perfekten Vertrag verlassen, aber wenn das bis heute noch nicht geschafft wurde, wie solle dies nun erreicht werden?

Es soll einen Entwurf zu einem Vertrag geben, welcher keine verbindlichen Ziele beinhaltete. Dieser Entwurf sei dem Guardian zugeschoben worden und wurde von Ihm veröffentlicht und analysiert (Guardian, Huffington Post).

Nun betrat Obama das Pult. Klimawandel ist eine Gefahr für die Sicherheit, Wirtschaft und dem Planeten. Unsere Fähigkeit ein kollektives Abkommen zu erzielen wird in Zweifel gezogen. Er bestätigte die 100 Milliarden für den Klimafond und wiederholte seine Forderung nach echten Reduktionen. Es sei an der Zeit, dass alle Nationen an einem Strang ziehen. Die Rede war darauf zu Ende und Obama wurde von höflichen Applaus verabschiedet (Guardian, Mother Jones).

Die ganze Rede von Obama als Text gibt es hier.

Andy Atkins, Geschäftsführer von Friends of the Earth, gab sich sehr enttäuscht von Obama’s Rede. “Wenn Amerikas Vorstellungen von einem ambitionierten Vertrag eine Reduktion von 4% gegenüber 1990 ist, dann steuern wir auf eine Klimakatastrophe zu”, so Atkins.

Raman Mehta, ein Klimaexperte von ActionAid, meinte, dass sich die Entwicklungsländer betrogen fühlen. Sie seien in gutem Glauben angereist und werden mit leeren Händen abreisen müssen.

Der Geschäftsführer von Greenpeace USA “hoffte auf den Geist von Yes we Can, anstatt dessen gab es aber my way or the highway”. “Obama hatte anscheinend den Ozean nur überquert, um der Welt mitzuteilen, nehmt es oder lasst es sein” so Phil Radford weiter.

Was Obama bisher bekannt gab, ist nicht einmal so viel, wie die EU im Zuge des Kyoto-Protokolles bereits durchgeführt hat”, so ein Blogger auf The new Earth Deal.

Er sei gekommen um Aktionen zu leisten, konnte aber keine Vorweisen, so Tim Jones, Sprecher für das World Development Movement.

Die Verhandler wurden derweil gefragt, ob sie noch für ein paar Tage verlängern möchten (Guardian).

Daraufhin betrat Evo Morales, der Präsident von Bolivien die Bühne und machte seiner Abneigung gegenüber den Verhandlungen Luft. Er sei genervt davon, wie eine kleine Gruppe von Anführern versucht in letzter Minute ein Abkommen zusammen zu basteln.

Gegen 13:30h wurde dann bekannt, dass die Gespräche zwischen Obama und Jiabao ein Schritt in Richtung eines erfolgreichen Abkommens waren.

Es dringen die ersten Gerüchte über einen Copenhagen Accord durch. Dieser soll eine Deadline für einen Vertrag mit Reduktionen bis zum Ende des Jahres 2010 enthalten.

Am Abend starten die Politiker die dritte Verhandlungsrunde. Wen Jiabao ist nicht unter ihnen, er hat einen Stellvertreter entsandt.

Danach trifft sich Obama mit Jiabao zum 2ten Mal direkt. Die letzte Chance auf ein verbindliches Ergebniss.

Nach langem Warten, wurde spät Abends dann das Ergebniss der Verhandlungen bekannt gegeben. Es gibt einen Vorschlag für einen Vertrag von den USA, China, Brasilien, Äthiopien, Südafrika und Indien. Er enthält die Anerkennung der 2°C Grenze, aber keine verbindlichen Reduktionen. Über diesen Vorschlag muss noch abgestimmt werden (COP15 bevor er gültig ist.

Einiges wurde damit entkräftigt. Es ist keine Reduktion um 80% bis 2050 mehr enthalten und auch die von Wissenschaftlern und Inselstaaten geforderte 1,5°C Grenze wurde nicht beachtet.

Obama’s Statement zum erreichten Vorschlag eines Vertrages ohne Reduktionsziele war wie folgt. Dies war ein wichtiger Meilenstein, ein Start für den Klimaschutz, wenn auch noch vieles vor uns liegt. Besonders wichtig sei es gewesen, dass Entwicklungsländer die zuvor nie zu Reduktionen bereit gewesen sind zum ersten Mal Zusagen machten.

Lumumba Di-Aping, Chef-Verhandler der G77 Gruppe der 130 Entwicklungsländer, sagte, der Deal hat “den niedrigsten Level an Ambitionen den man sich vorstellen kann. Dies fängt Nationen für immer in einen Kreislauf an Armut ein. Obama hat keinen Unterschied zu Bush erkennen lassen.”

Der Leiter von Greenpeace UK John, Sauven dazu: “Es scheint als seien zu wenige Politiker auf der Welt fähig über den Horizont ihrer Eigeninteressen hinaus zu sehen und lassen Millionen von Menschen alleine im Kampf gegen den bereits existierenden Klimawandel. Es ist für mich somit bewiesen, dass es zum Klimaschutz ein radikal anderes Model an Politik bedarf als jenes das wir in Kopenhagen gesehen haben.”

Zusammenfassung

Die ganze Welt hat auf ein Wunder gewartet und Obama hat keines vollbracht, so oder ähnlich kann man diesen Tag zusammenfassen. Nach zahlreichen verlorenen Tagen und den unproduktiven Vorverhandlungen setzte sich am letzten Tag fort, was schon vor langem Begonnen hat.

Es konnte auch heute bei vielen grossen Fragen keine Lösung erreicht werden. Soll Kyoto weiter geführt werden? Wann soll die Spitze der Emissionen der Entwicklungsländer sein? Wer muss wieviel reduzieren?

Dennoch, die Zeit drängt und man kann gespannt sein ob bei den nächsten Verhandlungen etwas Konretes raus kommt. Die Hauptakteure werden auch in Bonn wieder die USA, China und die Inselstaaten sein. Also nehme ich hier Obama beim Wort. Es wird noch ein langer Weg sein!

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