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Ein Kommentar zum abgelaufenen UN-Klimagipfel in Kopenhagen.

Kein Vertrag ist besser als ein Schlechter

Den Meisten war schon im Vorhinein klar, dass diese Versammlung nicht mit einem ambitionierten und fairen Abkommen Enden wird, aber offiziell wurde ja Eines angestrebt, was die Sache doch noch spannend machte.

Viele Möglichkeiten geisterten herum, dass aber gar kein Vertrag raus schauen wird, hielt ich für sehr unwahrscheinlich.

Meine Vermutung war, dass in letzter Sekunde unter Druck von den USA und der EU ein Wischi-Waschi Abkommen zusammen gebastelt wird, welches viele Lücken aufweist und den benötigten Klimaschutz nicht sicher stellt.

Frei nach dem Moto: Hauptsache es wird irgendetwas getan, wenn auch nichts Gescheites.

Das die zwei Verhandlungswochen zu keinem verbindlicher Vertrag führen würden und es keine großen Fortschritte zu den wichtigen Fragen geben würde, war für viele überraschend. Bei den Streitthemen wie Klimaschutzfond, Waldanrechnung und Aufteilung der CO2-Reduktionen unter den Nationen bewegte sich kaum etwas. Blockaden beherrschten weitest gehend das Bella Center in Kopenhagen.

Zum Glück, denn den Klimaschutz in die Hände unserer nicht ganz so toll funktionierenden Märkte zu geben oder ein halbherziges Abkommen zusammen zu basteln, wäre leichtsinnig und in diesem Fall lebensbedrohend für viele Menschengewesen.

Auf der Suche nach der Realität

Die Frage die sich täglich auf tat und die Betrachtung im Nachhinein dominiert: Wer machte was und wieso?

Das in Kopenhagen unterschiedlichste Interessen, zumeist versteckt gehalten, die Hintergründe für die zähen Verhandlungen waren, kann schnell als machtpolitischer Alltag abgehackt werden.

Das Problem dabei ist, dass die fehlende Transparenz, bei einem Thema welches die ganze Menschheit betrifft, viel Freiraum für Spekulationen lässt. Es ist auch durch die intensivste Mitverfolgung der Berichterstattung nicht mehr nachvollziehbar, welche Prozesse da hinter verschlossen Türen wirklich statt finden.

Es bleibt einem lediglich, die Lage anhand der nach außen dringenden Fakten, mittels der zermürbenden Wahl zwischen Misstrauen und Vertrauen, zu beurteilen.

Häppchenweise werden Journalisten eingeweiht, manchmal dann, wenn die einladende Partei davon profitiert oder ein Konkurrent Schaden davon trägt. So wird von den Medien undemokratisch Bericht erstattet, indem Gegendarstellungen unterlassen werden. Auch die fehlende globale Erfahrung und Perspektive fiel gerade wieder bei den Diskussionen rund um China auf.

Daher wuselte es in mir verschiedenste Gedanken herum. Vielleicht stellt folgende Metapher am besten dar was da vorging, wenn ich versuchte, solch komplexe Prozesse zu analysieren.

Beim Versuch von der ISS-Raumstation aus auf die Erde zu sehen und zu verstehen wie diese im Inneren funktioniert, sieht der Mensch nur die Erdoberfläche. Von dem was unter dem Mantel steckt, hat er fast keine Ahnung. Lediglich ab und an spuckt es einen kleinen journalistischen Magmastoss an die Erdoberfläche, welche Vermutungen darüber zulässt, was im Erdinneren vor sich geht.

Und es wäre doch so wichtig, dies besser zu verstehen, denn im Schatten der Beobachtung entscheiden wenige Personen über riesige Menschenmassen, jeder von uns ein Teil davon!

Der Irrsinn dabei, wir überlassen es denen auch noch und hoffen, sie würden für uns entscheiden. Es scheint, als hätten wir von der Geschichte noch nicht viel gelernt.

Gegeneinander statt Miteinander – Ein Spiegel unserer Zeit

Da sticht mir gleich das Land der (un)begrenzten Möglichkeiten ins Auge, die USA. Der große Blockierer der seit Kyoto keinen Meter Richtung Klimaschutz gegangen ist, aber von Anderen verlangt mehr Klimaschutz zu betreiben als sie selbst.

Der Amerikaner stoßt zwar schon das Vierfache des Chinesen aus, aber die Medien werden doch nicht müde immer wieder zu erwähnen, dass China der größte Gesamt-Emittent ist und endlich zu reduzieren beginnen soll (USA = 19,6 Tonnen CO2/Jahr+Einwohner, China = 3,9 Tonnen CO2/Jahr+Einwohner). Wieso die USA sich so schwer tut wurde im Blog schon des öfteren erwähnt, mensch darf auf das Jahr 2010 hoffen, mehr aber auch schon nicht.

Aber auch China, das oftmals bei uns mit einer nicht zeitgemäßen östlich-philosophischen Romantik punktet und politisch und kulturell nur bei den wenigsten Menschen in den westlichen Industriestaaten auf dem Radar erschienen ist, ist bei weitem kein Unschuldslamm.

Sie profitierten indirekt genau so von den Errungenschaften des Kapitalismus und der damit verbundenen Verbrennung fossiler Brennstoffe. Letzten Endes war dies ein wichtiger Aspekt des wirtschaftlichen Aufschwungs und Wohlstands und somit sollte auch China einen Teil zum Klimaschutz beitragen. Ließen hingegen aber lieber die gedopten Muskeln spielen und zeigten der restlichen Welt wer in Zukunft das Sagen hat.

Es sei aber erwähnt, das China einen großen Teil ihres Rettungspakets während der Wirtschaftskrise in Grüne Technologien investiert hat. Parallel dazu wächst aber im Monatstakt ein neues Kohlekraftwerk aus dem Boden.

Konstruktives: Öl Flat Tax

Und da immer nur kritisieren auch nichts bringt verweise ich hier auf Gottfried Kirchengast, welcher am Elevate Festival eine Flat-Tax für Öl als Lösung forderte. Dies sei eine auf das Fördern von Öl gebundene Steuer.

Also für jeden Liter Erdöl sollte gleich bei der Förderanlage vom Staat ein gewisser Betrag eingehoben und in einen internationalen Klimafond einbezahlt werden. Dadurch wird alles was mit Öl verarbeitet wird, automatisch teurer. Dies geht dem Übel schon um einiges näher an die Wurzel als Cap & Trade, in dem bereits die nächsten Blasen für die Investmentbanker warten.

Das dadurch gewonnene Geld im Klimafond könnte für die vom Klimawandel betroffenen Nationen verwendet werden. Somit würden zwei Probleme mit einer Aktion gelöst werden. Die Öl-Flat-Tax wäre sozusagen eine Umverteilung von Klima-Sünder zu Klima-Opfer.

Aussichten

Wir dürfen gespannt sein, wie die Verhandlungen in Bonn und Mexiko weiter gehen werden.

Wird Kopenhagen als Startschuss oder Todestag des globalen, politisch angetriebenen Klimaschutzes in die Geschichtsbücher eingehen?

Autor: Stefan Kasberger

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