Mitterspitzen und Erosionen

Mitterspitzen und Erosionen im Vordergrund

Nach einem Relax-Tag in Kufstein wollten Rene und ich eigentlich einen Klettersteig im Kaisergebirge gehen. Der Einzige der uns aber wirklich anlachte war der Kaiserschützensteig, eine 12 Stunden Tour mit 2000m Höhendifferenz und einem sehr langen Zustieg. Diese Zahlen begeisterten mein Knie aber nicht wirklich.

Daher suchte ich im Klettersteigführer Österreich von Axel Jentzsch Rabl nach einer interessanten Tour auf dem Heimweg. Blieb bei den Leoganger Steinbergen hängen. Das westliche Mitterhorn (2.693m) kann mit dem Leoganger Süd Klettersteig [D/(E)] erklommen werden und über den Leoganger Nord Klettersteig (C/D) abgestiegen werden. Somit war die Suche schnell beendet.

Zustieg

Waren etwas spät dran, da wir noch Anreisen mussten und in der Früh nicht bald raus kammen. Es ging durch den Wald hoch und wir sahen lange nichts außer Bäume. Nach zwei Stunden kamen wir endlich über die Baumgrenze und das Staunen wechselte sich mit einem fragenden Blick ab. Einerseits der wunderschöne Dolomit vor uns, auf welchen wir heute noch klettern würden, und andererseits die Fernsicht hinter. War mir vor Ort nicht sicher, aber jetzt im Nachhinein bin ich es. Sah zum ersten Mal den Großvenediger und Großglockner, und dies ganz unerwartet. Die Dimension des Glocknermassives überraschte mich ein bisschen, hab ich mir immer kleiner vorgestellt.

Es ging jetzt ein bisschen steiler rauf auf Betonsteigen oder normalen Wanderpfaden. Nach gut drei Stunden waren wir am Sattel angekommen, von dem aus man die Passauer Hütte zu sehen bekam. Diese war als Jausenstation nach der Tour vorgesehen und wurde daher vorerst hinter uns gelassen. Wir bogen nach rechts ab zum Beginn des Leoganger Süd Klettersteiges (D(E)).

Sattel Passauer Hütte Panorama

Panorama - Sattel Passauer Hütte

Leoganger Süd Klettersteig D(E)

Wie so oft ging es gleich recht anspruchsvoll los. Wurde sofort klar, dass dies sicher um eine Spur anstrengender werden würde als der Innsbrucker Klettersteig (C/D) drei Tage zuvor. Eine fast vertikale Wand mit C und D Passagen eröffnete die Route. Für mich war dies ideal. Anspruchsvoll, kräftezerrend und es war noch immer möglich direkt am Fels zu klettern.

Anfangsteil Leoganger Süd Klettersteig

Anfangsteil Leoganger Süd Klettersteig

Dazu sei kurz erwähnt. Normalerweise versuche ich das Stahl-Seil nur zum Führen der Klettersteigset-Karabiner zu verwenden. Halte mich somit – wenn es geht – nur mit einer Hand fest. Die restlichen drei Peripherien – sprich andere Hand und die beiden Füße – klettern ganz normal ohne Benutzung der Eisenteile. Ist für mich ein super Klettertraining in interessantem Terrain um mich körperlich und mental auf der Höhe zu halten. Ist aber nur für Fortgeschrittene mit Klettererfahrung.

Rene ging dies gemütlicher an, was mit weichen Laufschuhen und weniger Erfahrung auch zu empfehlen ist. Vor uns lag ja noch die Schlüsselstelle, die ohne Kurzfixierung mit E als eine der schwersten Klettersteig-Stellen in den Ostalpen gilt.

Auf dem Weg dorthin war nun leichteres Gelände zu finden, so zwischen A und C. Vor der Krux zieht die Route aber noch einmal ordentlich an und eine Vertikale mit C und D Stellen saugt gut aus den Unterarmen.

Hanglquerung

Hanglquerung

Die Hanglquerung D(E) – Point of our Return

Nun waren wir bei der Hanglquerung [D(E)] angekommen, einer Seilquerung in einem starken Überhang. Rene ging vor und ich machte die Fotos. Was auf Jenen so harmlos aussieht, war es für uns Beide sicher nicht.

Nach dem ersten Umhängen verliessen Rene die Kräfte in den Armen und er ließ sich einen Meter ins Klettersteig-Set fallen. Zum Glück löste die Bremse nicht aus, da die Sturzenergie nicht groß genug war.

Als der erste Schock vorbei war und die Nerven wieder beruhigt waren, gab ich ihm meine Bandschlinge als Kurzfixierung und hoffte jetzt würde es gehen. Damit kam er dann noch eine Umlenkung weiter, bis er W.O. geben musste. Seine Kraftreserven waren zu Ende und der Kopf blockierte.

Kehrten also um und kletterten den Leoganger Süd Klettersteig (D) retour ab. Einen D Klettersteig retour zu gehen, wenn die Kräfte schon am Ende sind, ist nicht ungefährlich. Waren also sehr froh als wir unten ankamen und nichts passierte.

Für mich war es erste Mal, dass ich auf einer Tour umkehrte. War gar nicht so langweilig und frustrierend als ich gedacht hatte, fand mich sehr schnell damit ab. In diesem Fall unterstützt davon, dass das Runtergehen wirklich anstrengend und herausfordernd war, wohl gemerkt für mich. Für Rene war es eine ziemliche Tortour. Kamen auch wieder einmal erst im Dunkeln beim Auto an. Das wird schon fast zum Standard, ist aber meist nicht gewollt. 🙂

Leoganger Süd Klettersteig D(E)

Leoganger Süd Klettersteig D(E)

Möchte zur Hanglquerung noch eine Ergänzung machen, um es etwas zu relativieren. Im Großen und Ganzen führten eine Summe an Fehlern zum Umkehren. Vergangene Schulterluxation, weiche Laufschuhe, unökonomisches Klettern und Selbstüberschätzung bei Rene waren die Ursachen die sich am Ende rächten. Also alles ganz normale Fehler, aus denen wir beide gelernt haben. Beim nächsten Mal bin ich mir sicher würde er die Tour ohne große Probleme schaffen.

Ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller Klettersteig mit senkrechten Passagen und direktem Verlauf, ohne Zweifel. Zum Fürchten ist er aber nicht, wenn die Selbsteinschätzung stimmt.

Resumee

Für mich war es ein klasse Klettersteig der direkt mitten durch die Wand auf die westliche Mitterspitze führt. Schöne und anspruchsvolle Routenführung, definitiv nur für Erfahrene. Ganz subjektiv einer der besten Klettersteige bisher in einer traumhaften Landschaft mit eben solcher Aussicht auf weitere Traumziele. Die Überschreitung ist ein absolutes Muss im Jahr 2010, auch wenn normalerweise meine gesetzten Tourenziele jene sind, die ich am meisten vernachlässige.

Details Leoganger Süd Klettersteig [D(E)]:

Picasa Webalbum

2009-09-29 Leoganger Süd Klettersteig [ Fotos Rene]

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